Wanderwochen 1990-1999

1995 – Fränkische Schweiz

30. September – 07. Oktober 1995

Wanderwoche in der Fränkischen Schweiz

Das Busplaket, vom Wanderführer Herbert Barth kunstvoll angefertigt, zeigte schon, wohin die Fahrt ging. Vorbei am Kloster Neresheim wurde vor Nördlingen ein stärkendes „Sponsoren-Vesper“ eingelegt. Schnell war man an der Fränkischen Seenplatte, von Absberg war die Aussicht auf den kleinen und großen Brombachsee herrlich und am Igelsbachsee fand die erste kurze Wanderung statt. Interessant war auch die Besichtigung einer der vielen Schleusen vom Main-Donau-Kanal bei Eckertsmühlen. Der herzliche Empfang mit Kaffee und Kuchen im Gasthof „Alte Post“ in Obertrubach, dem Standquartier der 48 Wanderer des Schwäbischen Albvereins, „erwärmte“ alle, denn es war rauh und windig geworden. Nach Zimmerbezug konnte jeder noch das lieblich verträumte Dörflein erkunden bevor uns nach fränkischem Bratwurstessen Herr Maier in seiner Dia-Schau „Die Fränkische Schweiz im Jahreslauf“ zeigte: vom tiefverschneiten Obertrubach bis zum in allen Farben leuchtenden Herbst sahen wir neben all den Schönheiten der Gegend auch die Bräuche dieser Region, wie z.B. das „Osterbrunnenschmücken“.

Der Sonntag eröffnete gleich ein herrliches Frühstücksbüffet, so gestärkt wanderten all von Obertrubach bis Mostviel vorbei an den für die Gegen typischen Mühlen wie Schlötter-, Ziegel-, Reichels- und Hammermühle nach Egloffstein. Leider war die Aussicht vom Signalstein (583m) neblig getrübt, dafür aber war der nachträgliche Geburtstagsumtrunk von unserem Günter M. hervorragend und nach lustiger Einkehr in Hundsdorf war der Heimweg sogar bei Regen beschwingt, so dass wir auch am Tanzabend der hessischen Wanderfreunde im Haus lustig dabei waren.

Am Montag begrüßte uns heller Sonnenschein auf der Fahrt nach Muggendorf, sogar die unfreiwillige „Buspannenpause“ wurde gesellig genutzt. Nach steilem Aufstieg am Felsensteig genossen alle die wunderbare Aussicht in das felsen- und ruinengeschmückte Wiesenttal. Dunkel war dagegen der Weg durch die 60m lange Felsengrotte der Oswaldhöhe und sagenumwoben stand das sogenannte Quackenschloss mitten im Wald. Vom 531m „schwindelhohen Adlerstein“ wie Victor v. Scheffel ihn besungen hat, konnte man weit übers Land sehen. Sonnenverwöhnt wurden wir bei der Vesperpause und gaumenverwöhnt durch die nun schon fast gewohnten berühmten „Augentropfen“. Ein Naturerlebnis von ganz besonderem Reiz war die Riesenburg. Diese sehenswerte Versturzhöhle mit dem traumhaft schönen „Fensterblick“ auf das kleine Wiesentflüßchen ist ein großartiges Naturdenkmal. Der wildromantische Rückweg durchs Wiesenttal nach Behringersmühle fand im Café Gruber seinen Abschluss.

Der Dienstag fing sonnig an, die Fahrt nach Spies zum Eibgrat. Hier trennte sich die Gruppe, denn es ging über moosbedeckte Felsen wie im Märchenwald durch felsige Durchstiege, bei denen man beide Hände und Füße brauchte. Es war eine nicht geahnte Felsenklettertour, die allen gewaltig Spaß machte und sicher zu den schönsten Erinnerungen zählt. In Richtung Klausberg ging’s zurück zum Reuthof, wo sich alle wieder trafen. Leider fing es zu regnen an, trotzdem durchwanderten wir den Fuchsweg, so dass die Einkehr in Stierberg im Gasthof Fischer mit den gigantisch großen Kuchenstücken kein schlechtes Gewissen verursachte.

Mit dem Bus ging’s am Mittwoch durchs gesamte Trubachtal, es ist mit 19 Mühlen auf 19 km das mühlenreichste Tal, dessen Mittelunkt Egloffstein ist. Eine Besonderheit hier sind nicht nur die steilen Kletterfelsen mit allen Schwierigkeitsgraden, sondern auch die vielen kleinen Brauereien, die oft nur für den Hausgebrauch brauen und von denen es sogar einen eigenen Wanderführer gibt, also für Bierfreunde eine echte Alternative! Das angrenzende liebliche Wiesenttal wird von der Reifenberger Kapelle überragt und über Pretzfeld stieg der Bus mit uns zur Burg Feuerstein hinauf, welche gegenüber dem berühmten Walberla liegt, der Vexierkapelle der heiligen Walburga, der 1. Äbtissin von Heidenheim. Ein kurzer Abstecher in die Doppelkirche Feuerstein und dem Segelflugplatz, dann weiter nach Ebermannstadt, der heimlichen Hauptstadt der Fränkischen Schweiz mit dem kleinen Kulm (625m), über Gasseldorf, dem Geburtsort von Joh. Georg Lahner, dem Erfinder der weltberühmten Wiener Würstl, an den Ruinen Streitburg und Neideck nach Muggendorf, dem ältesten Kurort. Die kleine Wiesent ist bei den Wildwasserfahrten sehr beliebt.

Eine Burg nach der anderen: Burg Kleinreut und Größweinstein thronen in 180m Höhe. Weiter nach Doos, hier mündet der Aufseßfluß in die Wiesent, vorbei am Herrenfels-Schlösschen, Burg Rabeneck, Blick zur Neubürg und zur Klaussteinkapelle, über Ahorntal zur Vesperrast, wo wir eine prächtige Aussicht auf die stattliche Rabenstein-Burg und ins herbstlich schöne Ailsbachtal genießen durften, eine Aussicht wie auf einer Postkart! An Oberailsfeld vorbei ging’s nach Größweinstein, dessen Basilika schon von weitem grüßte. Diese mächtige Wallfahrtskirch, von 1730 – 39 von Balth. Neumann erbaut, und 1948 vom Papst ausgezeichnet, ist ein Barockprachtbau. Eine reich verzierte Stuckdecke mit Deckengemälden spannt sich über dem spätgotischen Gnadenbild zu deren Füßen noch Früchte und Erntedankes lagen. Die kleine gotische Urpsprungskirche zeigte, das Franziskaner die Gründer waren. Sehr eindrucksvoll, doch nicht zu besichtigen, die gegenüberliegende Burg aus dem 11. Jhd., doch neu restauriert sehr große Ähnlichkeit mit Liechtenstein. Durch Püttlachtal fuhren wir nach Tüchersfeld, dem meistfotografierten Felsendorf und weiter durchs Weihersbachtal über Pottenstein zur Teufelshöhle, welche 11 ½ km ausgebaut ist und von Hans Brandt 1922 entdeckt wurde. Mit dem größten Höhleneingang Deutschlands (14m hoch und 25m breit) und dem „Barbarossasall“ zählt sie zu den Besonderheiten der Höhlen. Das gewohnte Kaffeepäuschen in Pottenstein rundete die 5-Tälerfahrt ab. 6 Wanderfreunde machten doch schnell den 5km langen therapeutischen Wanderweg für Herz- und Kreislaufkranke. Überraschung am Abend: Walter und Lore kamen für die restlichen Tage zu uns.

Der Donnerstag sicher absoluter Höhepunkt. Durch die große Kreisstadt Forchheim führte unser Weg nach Bamberg. Auf 7 Hügeln erbaut, teilt es sich ein bürgerliches und ein fürstbischöfliches Viertel. Ein romantischer Spaziergang an der Regnitz entlang den Fischerhäuschen vorbei bis zur Brücke mit der prachtvollen Statue der heiligen Kunigunde gegenüber dem alten Rathaus mit bürgerlicher und kirchlicher Seite, umarmt von den tosenden Wassern der Regnitz. Einmalig der Dom, bei dem Romantik und Gotik harmonisch vereint sind. Einmalig auch das einzige Papstgrab von Klemens II. Weltberühmt das Standbild des Bamberger Reiters und der Weihnachtsaltar von Veit Stoß. Sehenswert die Grabplatte des Kaiserpaares, an der Tilmann Riemenschneider 15 Jahre gearbeitet hat, das Fürstenportal mit der lachenden und weinenden Seite, usw. usw.

Wir bestaunten den mittelalterlichen Innenhof der Alten Hofhaltung, die neue Residenz in ihrer Großzügigkeit, den blühenden Rosengarten mit dem traumhaften Überblick über die Stadt und stiegen dann zum Michaelsberg, dem ehem. Benediktinerkloster hinauf. Die Klosterkirche, dem heiligen Bischof Otto, dem Apostel Pommerns geweiht, besitzt den wohl einzigartigsten Himmelsgarten, 600 heimische Wildpflanzen zieren erstaunlich echt die gesamte Kirchendecke. Auch soll der Grabplattendurchgang Kreuzschmerzen heilen.

Weiterfahrt nach Staffelstein mit dem beachtlichen Fachwerk-Rathaus, dem Geburtsort des Rechenmeisters Adam Riese, am Staffelberg (539m) vorbei hinauf zum Kloster Banz (Tagungsstätte der CSU). Die Klosterkirche ist ein kleiner wunderschöner Barockbau mit Rokoko-Tabernakel und Rosekrank-Altar. Herrliche Sicht auf Vierzehnheiligen, aber auch gute Sicht ins Grabfeldgau, ein idealer Platz zum Rasten. Nun besichtigten wir noch die Wallfahrtstätte Vierzehnheiligen, eine bedeutende Architektur und der schönste Sakralbau von Balthasar Neumann. Ein prächtiger Rokokobau, dessen Gnadenaltar das Herzstück (nach einer Vision eines Schäfers) darstellt. Rückfahrt durch die von der Abendsonne durchfluteten bunten Mischwälder, vorbei an der Giechburg, Schloss Greifenstein (Besitz des Grafen von Stauffenberg) am Flüsschen Leinleiter entlang nach Obertrubach zum Tanzabend mit vorherigem großen Karpfenessen.

Freitag, 06. Oktober. Mit dem Bus nach Pottenstein. Durch Püttlachtal führte uns ein 8 km langer schöner Wanderweg zur Ruine Hollenberg mit herrlichem Rundblick. Ein Teil der Wanderer konnte die Gelegenheit zur Rückfahrt nutzen, während die anderen bei schönstem Herbstwetter auf dem Franz-Josef-Kaiserweg über Elbersberg zum Aussichtspunkt Pottenstein wanderten. Von hier sah man weit und breit den „goldenen Oktober“ leuchten, traumhafte Aussicht auf das Felsendorf Pottenstein mit seiner Burg, welche Zufluchtsstätte der heiligen Elisabeth nach der Vertreibung von der Wartburg war.

Der letzte Abend: Fam. Ritter von der alten Post freute sich sehr über das Busplakat und über den Albvereins-Zinnteller als Gastgeschenk. Die Wanderer dankten ihrerseits mit einem kleinen Geschenk besonders den engagierten Wanderführern Helene und Herbert Barth für die mit viel Arbeit und Mühe gut vorbereitete und wirklich gelungene Wanderwoche, bevor dann endgültig die Liederbüchlein eingepackt wurden.

Samstag – Wenn es am schönsten ist, heißt es Abschied nehmen, frühstücken, Gepäck verladen, ab auf die Heimreise bei etwas durstigem Wetter in Richtung Hohenloher Ebene zur ausgedehnten guten Mittagsrast im Gasthof „Ochsen“ in Cröffelbach. Über Schwäbisch Hall und den Mainhardter Wald ging es gemütlich heimwärts, so dass die Wanderer schon am Nachmittag wohlbehalten zu Hause waren. Eine einmalig schöne Wanderwoche, die dieses Mal auch einen kulturellen Teil beinhaltete ging viel zu schnell vorbei.